Zeitfalten

 

Zeit hat sich zusammengefaltet.
Nun geht einer einsam, begleitet
von den Gedanken an Hoffnung,
also nicht allein.

Ich hörte mich nicht in der Tiefe.
Bröckelnde Erinnerung
des Vergessens malte
mir Lichter ins Gesicht.
Für einen Moment hielt mich
etwas zusammen, zurrte mich
fest in der Tiefe.

Doch jetzt –
Zeit bleibt gefaltet,
lässt keinen Raum.

 

 

Ich schwebe durch Zeit,
habe Taue gelöst und
liege auf schwerelosem
Zauber des Raumes,
tauche meinen Blick in
Grenzenloses.

Der Puls meiner Angst
aber ist lauter geworden.

 

 

Am Ende des Sommers überstaubt
ein Grau die Olivenbäume.
Ihr Duft hat sich auf die Reise gemacht.
An den Gräbern kommt die Trauer nicht an.

Doch immer noch hüpfen Wellen in den Sand
und ihre Kronen brechen sich schaumummantelt.

 

 

Ich fülle die Leere mit Nichtstun.
Luft ist zu dicht zum Atmen, lähmt.

Ich plätte Gedanken, die unter den
Lockenstab geraten, pflücke Staub
aus den Erinnerungen.

 

 

In gläsernen Regentropfen
brechen sich Farben.
Verformte Seifenblasen
verheißen schillernde
Träume – sekundenlang.
Kristalle zerplatzen

auf dunklem Asphalt.

 

 


Leben vereinsamt und
Schmerz ist seitwärts gebogen.
Gib mir nur einen
Lidschlag lang Zeit.

Wann war gestern,
als ich Milch
aus fetten Kokosnüssen trank?

Ich dachte, Momente
ließen sich festhalten,
zu kleinen Ewigkeiten dehnen.

Närrin!
Ich schlüpfe in
fremde Ruhmeshütten,
bin krank vor
Sehnsucht nach mir.

 

 

  
Zuweilen ertrinken wir
in den Wäldern der Schwermut,
in Lichtungen der Vergänglichkeit.

Zuweilen hoffen wir
auf Gnade, die tief ist
und Heilung verspricht.

Zuweilen bricht es
aus aller Finsternis und
Licht erhellt den Spiegel.

Zuweilen lässt Liebe
den Schlüssel die
Tür immerwärts öffnen.

 

 

Frag mich nicht, wann Uhren zerbrechen.
Ich hätte nur Lügen als Antwort.

Ich schenke den Vögeln die Zeit,
lasse den Horizont ziehen,
verberge das Dunkelecho.

 

 


War es anmaßend zu jubeln
angesichts des Friedens?
War es vermessen auf das Podest
des Siegers zu steigen?

Was trifft meinen Leib,
was füllt die Adern,
was war es, als ich dachte:
Zeit ist geschenkt?

Atem wehte wie Verheißung.
Nun quellen die Ränder
über in Furcht.
Ich will den Makel nicht segnen.
Ich werde den Speer  wieder zücken.

 

 

Zu schnell, die Sonne
versunken im Tränensalz.

Durchs Sieb der Schwüre
in die Tiefe geschüttelt,
fallendes Laub berührend,
hat sich die Zeitfalte
geschlossen, leise, sanft.

Der Blick in die Tiefe
gibt Gründe frei.
Ich tauche hinab,
Perlenfischern gleich,
fange den Feuerball,
ehe er aufschlägt.