Habe meine Erinnerungen ablegt,
nachdem sie aktenkundig wurden.

Sie sind.Verstaubt in einer Ecke
meines Seins,
aber sie sind.

Ich sehe ihre Verstecke und wenn
die Nacht
das Grau schwarz färbt,
umarme ich mich und warte
auf die Träume und das
Rückwärtsgehen in der Zeit,

wo Erinnern so lebendig, leicht und
federtanzend den Reigen regierte.

Kein Spiegelbild muss ich erinnern,
es war gewesen, scherte sich nicht,
was ich war, als ich wurde.

So schlafe ich meine Sonnenstunden
zu Ende in Träumen, in denen
Erinnerung wohnt.

 

 

Erinnerte Träume?

Nein, sie sind keine
Heimat für das Gewesene.

Leben im Echo weiter oder
nicht mal das.

Vergessen wie Muscheln,
einst gesammelt, nun abgelegt

in dunklen Kellerecken.

Wenn nur der Mond mir
Gesellschaft leistete,
silbern mit Schatten
auf seinem Antlitz.

Nur nicht diese Schwärze,
wo in den Erdrändern
alles Flüstern verborgen ist.

 

 

Ich habe Jalousien herabgelassen,
will sicher sein für Stunden
des Schlafs oder Wachens.

Nur das Bellen der streunenden Hunde
entkleiden die Stille
meiner Höhleneinsamkeit.

 

 

Steinige Eselspfade
waren Wege in die Freiheit.

Der Schmerz der Blasen und
blutende Hände waren Leben,
Erleben, sich spüren.
Menschsein
fühlen,
hart und sanft, aber
fühlen und
dort, wo das Herz
durch Nebel stößt, wo die Sonne
es wärmt,
da beginnt Hoffnung.

 

 

Gnadenlos endet der
Sonnentraum im Erwachen
Gnadenlos klopft die Erinnerung

an, sucht ihr Gehäuse.

 

 

Einst fielst du durch mich hindurch,
wie ein Stern am Horizont fällt.

Du verbreitest den Glauben an Blühen
und Gedeihen,
unerschütterlich.

Daraus komponierst du deine Lieder,
die meine Ohren nicht erreichen.

 

 

Träume, verborgen
hinter Zuckerwattegittern,
drängen hinaus aus
klebriger Trägheit.

Seifenblasenfetzen lassen
Luft dichter werden und
Träume auf ihr ruh’n,
bis ein Wehmutshauch
sie hinwegträgt und der
Erinnerung Raum gibt.

 

 

 

Die Stimmen des Tages lassen
den Blick sich heben.
An den Fenstern Alpenveilchen
und
Spitzengardinen.

Tannen, so schwer und dunkel,
wachsen sie durch die Träume,
wässern die Herzenswüste.

Zwischen den Mauerritzen
ist Licht gepflanzt, wenn erste
Sonnenstrahlen das Haus aus
dem Nachtgewand enthüllen.

Wozu
Nachträume unter
Menschen bringen,
sie wecken, aufwecken?

 

 

Dass es bliebe...

Worte verwehen im Wind,
wie Sand, der die Dünen bewegt

Nie gesprochen in Sätzen, nur gereiht
gleich einer geometrischen Folge.

Ich soll also Spanien denken
und Ungelebtes träumen?

Nach all dem Erleben?

Als sei ich nie fortgewesen,
wünscht ich,
dass alles
Gewesene  erst kommen möge.

Bliebe.

 

 

Stille!

Fallendes Herbstlaub höre ich.
Deine Stimme bricht sich in den
Wellen des Meeres, die stumm sind.

Dein Lachen in meinem Ohr
wird hin und hergeworfen.
Lust, alles zu sehen, zu spüren,
Sinne zu umarmen,
dich und mich.

Immer wieder.
Never more.

 

 

Dein Haus - ist jetzt wo?

Dort, wo der Gestank der Straße
die Träume vor dem ersten Licht

auflöst.

Du zahlst einen hohen Preis
für Leben.

Die Ernte eingelegt in
Sehnsuchtskammern,

aus denen es leise seufzt
und Vergänglichkeit
ewige Existenz bedeutet.

Und ferner Traum,
dem deine Erinnerung entsprungen,
flüstert die Melodie dir zu:
Du bist heimatloser Wind,
der sich verfängt im Unrat
deiner Gedanken.

 

 

Du gehst in neonbeleuchteter
Gleichmut, setzt deine Schritte,

dass die Absätze das Pflaster
zum Stöhnen bringen.

Rot weht dein Seidenschal
hinter dir her und die
Lippen,
verruchte Herausforderung,

wölben sich der Zukunft entgegen.
Du träumst von den Malediven.

Auf der anderen Straßenseite
träumt der Hunger und die
Erinnerung an den letzten
Hamburger bläht sich unter
Schmerzen, füllt aus,
macht
so satt, dass
Hoffnung keinen
Platz mehr hat.

 

 

Wüstenkind

Was sind deine Träume?
Träume, die aus sand- und
staubbedeckter Hoffnung entstehen?

Scham umhüllt mich.
Da, wo ich noch lang den

Sand zwischen den Zehen spüre,

diesem Klischee gedankenlos folge,
da spürst du die blutgetränkte Erde,

die nicht mal in deinen Träumen
dir Erinnerung sein wird.

 

(Enya K, 2013)