Hier in meiner Stadt habe ich Kontakt zu einigen  Jugendlichen, die sich von zu Hause losgesagt haben und freiwillig auf der Straße leben.
Von manchen kenne ich auch die Eltern.
Die folgenden Zeilen entstanden nach dem Gespräch mit einer verzweifelten Mutter.

 

 

Wo bist du?

Dunkle Straße, Flocken fallen leis,
bilden Muster auf schwarzem Asphalt.
Ich irre durch die Straßen, suche dich.

Wo bist du?

Häuser starren mich an.
Die düsteren Fenster
kälter als tote Augen.

Wo bist du?

Eisiger Schmerz lässt
die Seele gefrieren,
erreicht mein Herz.

Wo bist du?

Hast dich abgewandt
von der Welt.
Ich ließ dich gehen.

Wo bist du?

Meine Worte gefrieren,
zerbrechen wie Glas,
erstarren zu Tränen,
die nie geweint.

Wo bist du?

Komm zurück!
Bleib nicht da draußen
in eisiger Nacht.

Komm zurück!

Hier ist eine Hand, die dich hält,
ein Wort, das deine Wunden zudeckt,
eine Tür, die sich öffnet

Komm zurück!

Wenn du eintrittst,
bleibt die Kälte außen vor.

Komm zurück mein Kind.